Ein Blick hinter die Kulissen einer LAN-Party: das Netzwerk

Das Netzwerk ist das Herzstück einer LAN-Party. Es verbindet alle Computer der Teilnehmer untereinander und diese wiederum mit dem Internet. Doch wie funktioniert das genau und was sind die Herausforderungen? Oli Eggimann, Netzwerkkoordinator der MYI Entertainment LAN-Parties, klärt auf.

Oli Eggimann ist bei den LAN-Parties von MYI Entertainment verantwortlich, dass das Netzwerk funktioniert. Er ist unser Netzwerkkoordinator und damit Leiter eines Teams von 2-4 Netzwerk-Profis. Oli ist 25 Jahre alt und hat auch im Berufsleben als Network Engineer mit Netzwerken zu tun. Als WG-Bewohner des mYinsanity Gaming Hauses ist er zudem mit der Schweizer Gaming und Esports Szene eng verwachsen. Ich habe mich mit Oli zusammengesetzt und ihn zu seinem Schaffen, das ich als Marketeer nur oberflächlich verstehe, befragt.

Wie lange organisierst du schon LAN-Parties?
Vor zehn Jahren haben wir die erste LAN organisiert. Cédric, Dominique, ich und ein paar Freunde haben damals mit purer Leidenschaft eine LAN-Party für 200 Personen geplant. Gekommen sind leider nur 20 – ein Desaster aus Marketing-Sicht wohlgemerkt. Das Netzwerk hat für die 20 Teilnehmer perfekt funktioniert ?

Filmsoft LAN 2008 mit Oli im gelben Shirt

Mittlerweile machen wir LAN-Parties für über 1300 Teilnehmer – was für eine Infrastruktur braucht man da?

Ein Netzwerk ist hierarchisch aufgebaut, das heisst die Auslastung konzentriert sich auf wenige Geräte im Zentrum und wird dann geringer, je näher man zum User geht. Die User haben alle ein Netzwerkanschluss mit 1 Gbit/s. Total hängen 40 User per Netzwerkkabel an einem Distribution Switch mit 10 Gbit/s Leistung. Dieses Gerät ist wiederum mit dem sogenannten Core mit einer Leistung von 40 Gbit/s verbunden. Der Core muss an der SwitzerLAN besonders stark sein – normalerweise findet man diese Geräte in Daten-Centern. Entsprechend teuer sind sie auch: Das verwendete Material hat einen Gesamtwert von ca. 2.5 Millionen Franken. Ohne Cisco als Partner wäre es also unmöglich, eine LAN dieser Grösse zu realisieren.

Alle Switches und die User müssen natürlich miteinander verkabelt werden. An der SwitzerLAN haben wir über 11.5 km Kupfernetzkabel und 1.8 km Glasfaserkabel verlegt – ein Helferteam von ca. 10 Personen war damit mehrere Tage beschäftigt.

Was ist genau die Aufgabe deines Teams vor einem Event?
In der Vorbereitungsphase eines Events haben wir zwei wichtige Aufgaben. Die erste ist das Netzwerkdesign: Wir planen, wie wir das Netzwerk aufbauen möchten und welches Material wir dafür benötigen. Nach der Bestellung und dem Erhalt des Materials geht es an die Vorkonfiguration. Dabei müssen an allen Geräten Einstellungen gemacht werden, damit die Geräte wissen, welche Aufgabe sie im Netzwerk zu erledigen haben.

Core Switches der SwitzerLAN

Und was macht ihr am Event?
Vor Ort ist die erste Aufgabe, die ganze Hardware aufzustellen und zu verkabeln. Anschliessend nehmen wir das System in Betrieb und machen letzte Konfigurationen. Sobald das Netzwerk mal steht, können wir es überwachen, optimieren und hoffen, dass nichts passiert.

Eingreifen können wir zum Beispiel, indem wir die Bandbreite regulieren. Wir können zum Beispiel einstellen, dass Onlinegames priorisiert werden und YouTube Videos weniger Bandbreite erhalten. Theoretisch können wir auch bei einzelnen Usern die Bandbreite einschränken – das ist aber nur sehr selten nötig.

Was sind die grössten Herausforderungen, die euch gestellt werden?
Ein Fakt, der von Aussenstehenden oft nicht verstanden wird, ist die Skalierbarkeit von einem Netzwerk. Um eine LAN-Party für 1’000 Teilnehmer zu machen, kann man nicht einfach fünfmal die Hardware einer 200er LAN hinstellen. Durch den hierarchischen Aufbau kommt der ganze Traffic der 1’000 Personen an einem Punkt zusammen und dort brauchen wir immer stärkere Geräte.

Und solche Geräte gibt es eigentlich gar nicht zu mieten, da neben LAN-Organisatoren eigentlich niemand einen Bedarf dafür hat. Riesenevents wie unsere SwitzerLAN sind also nur möglich, wenn man mit den Herstellern der Hardware zusammenarbeiten kann und uns diese entgegenkommen.

Die grösste Herausforderung für uns ist aber der Zeitdruck. Ein Netzwerk für 1337 LAN-Teilnehmer ist vergleichbar mit dem Netzwerk an einem grossen Firmenstandort mit 1337 Arbeitsplätzen. Der Aufbau des Netzwerks eines Firmenstandorts ist jedoch ein Millionenprojekt und wird normalerweise über mehrere Monate realisiert. Da Event Locations aber gut ausgebucht und teuer in der Miete sind, können wir normalerweise erst wenige Tage vor dem Event in die LAN-Halle. Bei den EEvents mit bis zu 500 Teilnehmern sind es jeweils nur wenige Stunden, die wir zur Verfügung haben. Ein kleines Problem wird unter diesem Zeitdruck also schnell zu einer Verzögerung, die auch die Teilnehmer spüren.

Die SwitzerLAN kurz vor der Eröffnung

So passiert zum Beispiel am EEvent St.Gallen am Anfang dieses Jahres. Was waren die Probleme am EEvent St.Gallen und warum hatten wir mehrere Stunden nach Eröffnung der LAN-Party noch kein Internet?
Am EEvent #9 waren wir zum ersten Mal in den OLMA Hallen. Wir waren also an einer neuen Location mit einem neuen Internetprovider und trotz Vorbereitungen lief die Zusammenarbeit noch nicht so reibungslos wie erhofft. Der Internetprovider nutze eine Technik die keiner von uns kannte und hatte ausserdem wenig Erfahrung mit LANs. Der Erfahrungsschatz war also auf beiden Seiten nicht perfekt. Das Problem, das schlussendlich zur Verzögerung führte, war ein kleines Gerät, welches nicht richtig eingestellt war. Niemand erwartete jedoch, dass dieses Gerät das Problem war und so versuchten wir über mehrere Stunden alle möglichen Hard- und Softwarelösungen. Zum Glück kam dann notfallmässig noch ein befreundeter Netzwerker vorbei, der zufälligerweise schon einmal mit diesem Gerät zu tun hatte. Nachdem wir das Manual gefunden hatten, war der Fix dann eine Sache von Minuten.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: werden wir in 9 Jahren auch noch LAN-Partys organisieren oder machen wir dann WLAN-Partys?
Theoretisch wären WLAN-Partys schon heute möglich.  Der Hardwareaufwand wäre aber nicht wirklich kleiner. Pro 20 Personen bräuchten wir etwa 3 Access Points die WLAN-Signale senden und diese müssten wiederum per Kabel mit Switches verbunden werden. Zusätzlich kommt die Schwierigkeit hinzu, dass sich die Access Points gegenseitig stören und optimal platziert werden müssten. Zudem denke ich nicht, dass die Teilnehmer mit der gebotenen Latenz zufrieden wären.

Aber mit viel Glück haben wir in 10 Jahren vielleicht WLAN-Partys ?

Das Gespräch mit Oli habe ich am 27. März 2018 geführt. Das nächste Mal in Action sehen wir Olis Netzwerk am EEvent #11 in Arbon vom 18. bis 21. Mai.

Gruppenfoto mit einem Teil der EEvent #9 Crew, Foto: Phil Fatih

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